REZENSION von Karin Hahn |
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AUGUST 2007
BELLETRISTIK GELESENE PROSA JUGENDBUCH KINDERBUCH |
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Kinderbuch Mireille Geus: Big, Urachhaus, Stuttgart 2007, 107 Seiten, 11,90€ Kinder haben keinen durchtriebenen Charakter, sie sind nicht böse, berechnend oder eiskalt. Oder doch? Big ist die Neue im kleinen Ort. Sie ist ein dickes Kind mit blonden Locken, kann Unmengen Cola trinken und mag Süßes. Sie ist nicht auf den Mund gefallen und spürt die Schwächen der anderen ganz genau. Sie möchte jemand sein, auf der Bühne stehen und beachtet werden. Das Desinteresse von Rory, Sam und Len, die die Mädchen nie beim Ballspielen mitmachen lassen, trifft sie tief. Auch Dizzy beobachtet die Jungen und fühlt sich ausgeschlossen. Big wählt sich die langsam denkende und handelnde Dizzy, die nicht „bekloppt“ ist, sondern einfach nur anders, als gleichgesinnte Partnerin, um ihre angestauten Aggressionen loszuwerden. Als Meisterin der Verstellung und Lüge fällt es ihr nicht schwer, ihre neue Freundin zu umgarnen. Sie passt sich aalglatt den Erwartungen von Dizzys Mutter an und hinterlässt oberflächlich betrachtet einen harmlosen, ganz positiven Eindruck. Sie lügt und zwingt Dizzy ihren Willen auf. Wie ein Spinne legt sie ihr Opfer lahm, denn Dizzy, die keinen Streit mag, kann sich nicht gegen Bigs Erwartungen, Machtphantasien und Forderungen auflehnen. Gleichzeitig spürt sie zum ersten Mal, wie wunderbar es ist, eine enge Freundin zu haben. Als Big ihren Racheplan schmiedet, hat Dizzy, auch wenn sie weiß, dass alles falsch ist, gar keine Chance mehr, sich klar abzugrenzen. Aus Dizzys Perspektive erfahren Polizistin und Leser im Laufe der Handlung den Hergang der Straftat, die sie gemeinsam mit Big begangen hat. Und dabei hatte alles so harmlos angefangen. Mireille Geus hat einen atemberaubenden Text über eine verhängnisvolle Freundschaft geschrieben, der aber nicht alles verrät. Für den Leser bleibt genug Spielraum, sich mit dem Gelesenen auseinander zu setzen. Die niederländische Autorin fragt nicht nach den Ursachen, die Big zu dem Monster gemacht haben, das sie nun mal ist. Sie zeigt die Mechanismen, wie Big sich ihre neue Freundin Dizzy gefügig macht, sie ihre Schwäche für sich ausgenutzt, um gnadenlos zum Ziel zu gelangen. In verschiedenen Szenen entsteht vor dem inneren Auge des Lesers ein Bild von den beiden so unterschiedlichen Mädchen, die einander offensichtlich so brauchen. Was in dieser Beziehung so völlig falsch läuft, erkennt der Leser sehr schnell und muss doch bis zum bitteren Ende der Geschichte zuschauen. |
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