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REZENSION von Karin Hahn |
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BELLETRISTIK Wallace Stegner: Zeit der Geborgenheit, Aus dem Amerikanischen von Chris Hirte, Deutscher Taschenbuch Verlag (Reihe: dtv premium), München, 2008 418 Seiten, €14,90 Der amerikanische Autor und Pulitzer-Preisträger Wallace Stegner hatte mit „Zeit der Geborgenheit“ seinen letzten Roman vorgelegt. Um es gleich vorauszuschicken, es ist ein fabelhafter Roman, exzellent geschrieben. Wer sich auf die Lektüre einlässt, wird wie in einem Sog in dieser Geschichte versinken. Erzählt wird von einer lebenslangen Freundschaft zwischen zwei Ehepaaren: Charity und Sid Lang, reicher Erbe des wohlhabenden, einflussreichen Ostküstenadels und Larry und Sally Morgan, beide stammen von der Westküste und sind weder reich noch besteht die Aussicht auf Geldeinnahmen, außer durch eigene Arbeit. Alle vier treffen sich nach einem längeren Zeitraum am Sterbebett von Charity, der charismatischen und dominanten Ehefrau von Sid, der als guter Englischdozent eher in ihrem Schatten steht und nicht die akademischen Erwartungen erfüllen konnte, die sie an ihn gestellt hatte. Im Rückblick, beginnend bei der Weltwirtschaftskrise um 1937, betrachtet Larry diese einmalige Freundschaftsgeschichte, die weder durch materielle Konflikte, Hausbau, Kinder, Karriere, noch durch Differenzen in der Entwicklung der Figuren je beeinflusst wurde. Larry schlägt sich nach Lektorenjobs als Romanautor durchs Leben und erntet erste Erfolge. Als seine Frau verursacht durch Kinderlähmung an einer schweren Behinderung leidet, gewinnt ihre Beziehung an Tiefe und Zuneigung. Beim Erinnern scheint sich Larry auch auf seinen Erfindungsreichtum zu verlassen und vielem, was er so gehört hat. Die gegenseitige Neugier der Paare aufeinander lassen die großen Unterschiede, was Status und Charakter angeht, schnell vergessen. Beidseitig nehmen die vier Hauptpersonen Anteil am Leben der anderen. Das Buch ist 1987 im Original erschienen - sechs Jahre vor seinem Tod war es Wallace Stegners letzter Roman, und er wurde zum Klassiker der amerikanischen Moderne. Ein paar liebenswert-altmodische Züge hat der Roman aus heutiger Sicht schon aufgrund seines Erscheinungsdatums. Aber das stört nicht, ebenso wenig die - wenn man aus postmoderner Sicht auf das Buch blickt - Hymne auf eine Freundschaft, die in Jahrzehnten keinerlei Brüche erfährt. "Zeit der Geborgenheit" zeigt ausgesprochen nuancenreich und vielschichtig, wie Amerika im vergangenen Jahrhundert zusammengewachsen ist: mittels Neugier, Güte, Offenheit und Interesse füreinander als treibende Kräfte.
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