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REZENSION von Karin Hahn |
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Karla Schneider: Großvater und ich, Deutscher Taschenbuchverlag, Reihe Hanser, München 2008, 139 Seiten, €6,95 Die siebenjährige Ewelina und ihr Großvater sind schon ein herrliches Paar. Sie begleitet ihn am heißesten Tag des Jahres in die Dresdner Gemäldegalerie, dafür kürzt er für sie ziemlich frech den Weg nach Hause ab und läuft einfach durch fremde Gärten. Es ist Nachkriegszeit, der Strom fällt aus, das Wasser ist abgesperrt, Kleidung und Lebensmittel sind knapp. Die Leute tauschen wieder Naturalien, leben beengt. Opa ist bereits bekannt als der mit den Essigflaschen. Da Ewelina und Opa gern lesen, leihen sie sich im Austausch von Essig ( das muss aber ein Geheimnis bleiben) Bücher aus. Kinderbücher sind rar und so gibt sich Ewelina auch schon mal mit Strindbergs „Schwanenweiß“ zufrieden, dass sie für eine Märchengeschichte hält. Ewelina und Opa hören gemeinsam Opern und wenn Opa guter Laune ist, dann spielt er am Klavier immer die Anfänge von Liedern. Auch Ewelina probt sich als Autodidaktin im Flötenspiel und möchte gern ihre Umwelt mit ihrem musikalischen Talent überraschen. Doch dann hat sie eine gute Idee, zu Weihnachten werden diesmal keine Bilder gemalt, sie führt eine Oper auf. Von der Ankündigung her ist es eine fantasievolle Zusammenstellung dreier großer Werke: Tosca, Cavalleria rusticana und Der Fliegende Holländer. Vom Dachboden werden unter schwierigsten Bedingungen Kinderwagen und Kostüme nach unten geschleppt und alles geschieht in Räumen, die eiskalt sind. Ewelina hat Streit mit ihren Darstellern und die Improvisation führt auch zu harten Auseinandersetzungen mit den Familienmitgliedern, die alle unter einem Dach wohnen. Dabei sind in dieser Zeit Erwachsenen- und Kinderwelten weit voneinander getrennt, nur Opa darf hin- und herpendeln. Am kargen Weihnachtsabend steht dann der große Auftritt bevor, allerdings hat die kleine Künstlerin zu viel wert auf die Ausstattung gelegt und dabei Text und Musik vergessen. Karla Schneider erzählt humorvoll und auch hintergründig von ihrer eigenen Kindheit. Ganz nebenbei wird an die Februar-Bombennacht 1945 erinnert und an den Vater, der nicht mehr wiederkommt, da er 1943 bei Stalingrad gefallen ist. Ein sprachlich wundervolles Buch für Kinder, aber auch Erwachsene.
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