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REZENSION von Karin Hahn |
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BOOK REVIEWS SUMMER 2009 Belletristik |
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Johanna Adorjan: Eine exklusive Liebe, Luchterhand Verlag, München 2009 185 Seiten, €18,20 "Am 13. Oktober 1991 brachten meine Großeltern sich um. Es war ein Sonntag. An Sonntagen rufen Verwandte an, Bekannte wollen vorbeikommen, um gemeinsam mit dem Hund spazieren zu gehen, ein Montag zum Beispiel erschiene mir viel geeigneter." Aber es war alles gut geplant und wurde auch im Oktober 1991 ausgeführt, das ist von Anfang an klar und schwingt wie ein Leitmotiv bei allen Reflexionen der Enkelin mit. Johanna Adorján, Jahrgang 1971, Kulturjournalistin, begibt sich auf Spurensuche. Sie schreibt sehr einfach und doch fesselnd vom bewegten Leben ihrer ungarischen Großeltern, Istvan und Vera. Es geht um die Bruchstücke der europäischen Geschichte und die eigene Familien- und Identitätsgeschichte. Adorjáns Großeltern schieden gemeinsam aus dem Leben, sei es aus Angst vor dem Alter, der Großvater war durchaus bereits totkrank oder aus anderen Motiven, die im Dunkeln bleiben. Viel wurde in dieser Familie in den unterschiedlichsten Sprachen kommuniziert, aber über das, was die Nachkommen wirklich interessiert, lag ein Schleier des Schweigens. Immerhin hatten die Großeltern als Juden das KZ Mauthausen durchlitten, den gescheiterten Volksaufstand in Budapest 1956 sowie die Flucht nach Dänemark. Beschrieben wird die Geschichte einer großen Liebe, voller Respekt, denn immerhin spricht die leicht extravagante, Kette rauchende Großmutter, die nichts wegwerfen kann, ihren Mann zeitlebens mit Sie an. Es ist etwas Aristokratisches in ihrem Benehmen, voller Würde und doch auch beschämend kleinliches. Eine widersprüchliche Frau, die es vielen anderen schwer gemacht hat und doch von ihrer Enkelin sehr geliebt wird. Johanna Adorján schöpft aus dem persönlichen Vorrat ihrer Kinder- und Jugenderinnerungen, traf sich zu Recherchezwecken mit den alten Freunden ihrer Großeltern, mit der eigenen nahen und ferneren Verwandtschaft, die sie zwischen Paris und New York aufsuchte. Mit ihrem Vater sucht sie das KT Mauthausen auf und malt sich in ihrer Fantasie auch diesen Tag aus, der offensichtlich weit im voraus als letzter von den Großeltern ausgewählt wurde. Es bleiben Spekulationen. Die Enkelin hat ihre Familiengeschichte in einem seriösen, trotz aller Schwere unterhaltsamen, fast leicht ironischen Erzählstil festgehalten. Eine würdige Erinnerung und Zeitgeschichte!
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